Das iPhone 6, mittlerweile einjährig, bietet ein ausgereiftes Design, ist leicht zu bedienen, hat eine gute Performance – und dies bei vernünftiger Akkulaufzeit. Weshalb sollten also zufriedene User über einen Wechsel zum iPhone 6s nachdenken? Insbesondere, da letzteres anscheinend bloß ein Paar Verbesserungen gegenüber dem Vorgänger bringt und kein komplett neues Gerät. Ist es tatsächlich nur ein neues Gadget für Apple-Fanatiker? Das auf jeden Fall. Aber dennoch: Es gibt technische Gründe, sich das neue Gerät anzuschaffen. Hier ein Überblick.

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Mehr Leistung, mehr Speicher, mehr Apps. Die Steigerung ist merklich

 

Stärker und robuster

Bis auf die wenige Zehntelmillimeter größeren Abmessungen und die neue Farbvariante Roségold scheint das neue Modell identisch mit der Vorgängerversion. Doch Meldungen, das iPhone hätte sich in der Hosentasche verbogen, gehören definitiv der Vergangenheit an: Das Gehäuse des Neulings besteht aus 7000er-Aluminium, einer besonders robusten Aluminium-Zinklegierung, die schon bei der Apple Watch Sport verwendet wird. Bruchschäden dürften aufgrund des stärkeren Displayglases seltener vorkommen.

Leistungsstärker mit mehr Arbeitsspeicher

Auch bei der Performance hat sich einiges getan. Obwohl Apps schon auf dem iPhone 6 flüssig liefen, bietet der Nachfolger gemäß Apple 70 Prozent mehr Rechenleistung und eine 90 Prozent raschere Grafik. Dieser Leistungszuwachs geht auf das Konto des neuen A9-Chips. Dieser enthält die beiden 64-bit-Prozessorkerne im ARMv8-Design, den Grafikprozessor und den Koprozessor M9. Der Koprozessor wertet vor allem die Bewegungssensoren aus und zählt neu auch im Ruhezustand ohne stromfressendes GPS Schritte. Dank M9 lauscht der Sprachassistent dauerhaft im Hintergrund auf den Befehl "Hey Siri" und nicht mehr nur, wenn das Gerät am Stromnetz hängt. Eine Verdoppelung des Arbeitsspeichers auf 2 GB sorgt für verbessertes Multitasking.

Doppelte Surfgeschwindigkeit

Für Vielsurfer ist die Unterstützung von LTE Advanced interessant, zumal die Telekomanbieter gerade dabei sind, 4G-Netze in Betrieb zu nehmen. Mit LTE Advanced verdoppelt sich beim neusten Apple-Handy die Geschwindigkeit im Downlink auf maximal 300 MBit/s. Dank Verwendung der MIMO-Technologie sind iPhone-Nutzer im WLAN künftig mit bis zu 866 MBit/s unterwegs.

Höhere Kameraauflösung

Die Hauptkamera des iPhones ist schon lange so gut, dass sich die Fotos nicht von denen einer anständigen Kompaktkamera unterscheiden. Allerdings war bisher die Auflösung mit nur 8 Megapixeln relativ tief. Apple rechtfertigte dies damit, eine höhere Auflösung führe unweigerlich zu höherem Bildrauschen. Mittels Deep Trench Isolation, einem Verfahren zur Isolierung der einzelnen Subpixel, ist es nun gelungen, bei gleicher Qualität eine 50 Prozent höhere Auflösung zu erreichen. Die Rückseitenkamera bietet jetzt 12, die Frontkamera 5 Megapixel. Auch 4K-Videos sind endlich möglich. Die Frontkamera hält mit dem Retina-Flash ein weiteres Novum bereit. Es handelt sich zwar nicht um einen eigentlichen Blitz. Die Selfies werden aber besser belichtet, indem das Display bei der Aufnahme dreimal so hell leuchtet wie normal. Viel zu reden gibt das "Live Photo" genannte Feature. Zusammen mit dem Foto wird eine kurze Videosequenz mit Ton gespeichert, die je 1,5 Sekunden vor und nach der Aufnahme zeigt. Tippt der Benutzer ein solches Foto an, verwandelt es sich in ein Bewegtbild.

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Iphone 6 und Iphone 6s – kein erkennbarer Unterschied. Oder doch?

 

Neue Gesten mit 3D Touch

Die neunte Generation des Apple-Smartphones bietet jedoch eine Innovation, die alles bisher Genannte in den Schatten stellt: 3D Touch. Der Touchscreen ist neu in der Lage, zu unterscheiden zwischen Antippen, leichtem und starkem Druck. Dies ermöglicht zwei neue Gesten, Peek und Pop. Durch einen Peek, einen leichten anhaltenden Druck auf ein Objekt, erscheint eine Vorschau. Enthält eine Mail beispielsweise eine Adresse, öffnet ein leichter anhaltender Druck auf diese eine Vorschau mit dem entsprechenden Kartenausschnitt. Lässt der User los, schließt sich die Vorschau, verstärkt er den Druck, öffnet sich die Karten-App. Dieser stärkere Druck ist die Pop-Geste.

Taptic Engine

Wie die Apple Watch besitzt das neue iPhone eine Taptic Engine, die dem Benutzer durch Vibrationen von 10 oder 15 Millisekunden ein haptisches Feedback gibt. Dem Platz für die Taptic Engine musste übrigens der Akku weichen, der um 95 mAh verkleinert wurde. Allerdings bewirken Effizienzsteigerungen bei Hard- und Software, dass der Akku gleich lang hält wie beim Vorgänger.

Zusammenfassend

Der Preis des neusten Sprosses der iPhone-Familie liegt aufgrund des schwachen Euros etwas höher als beim Vorläufermodell. Dafür erhält der Käufer bessere Performance und eine höhere Kameraauflösung. Weibliche Nutzer dürften sich zusätzlich an der neuen Farboption Roségold erfreuen. Das entscheidende Argument ist aber 3D Touch. Die Gesten Peek und Pop werden bald so selbstverständlich sein wie Antippen, Wischen oder Pinch-to-Zoom. Künftige User werden kaum verstehen, weshalb man sich früher durch verschiedene Screens durchtippen musste, wenn es doch mit Quick Actions viel einfacher geht. Kurzum: Aller Unkenrufe zum Trotz lohnt sich das neue Iphone auch aus technischer Sicht – und nicht nur aus Lifestyle Gründen.

Über den Autor: Jan Unger, Jahrgang 1984, ist als Mitarbeiter in der Redaktion von www.mobildiscounter.de  tätig. Seine Arbeit stützt sich vorrangig auf News und Recherchen rund um die Mobilfunkbranche. Sein vielseitiges Interesse gilt vor allem den Betriebssystemen iOS und Android, aber auch alternative Systeme wie Sailfish und Ubuntu Touch.

Bildrechte:
©iPhone 6s & 6 (LWYang / Flickr, CC BY 2.0)

©iPhone 6s (LWYang / Flickr, CC BY 2.0)

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