E-Bike umrüsten: Wie ein Fahrrad zum E-Bike wird.

1
31

E-Bike umrüsten: Dir gefällt Dein altes Fahrrad? – aber ein E-Bike wäre auch nicht schlecht? Warum nicht denn nicht beides unter einem Hut bekommen mit einem Umrüstsatz? Ich machte den Selbstversuch mit viel Internet-Recherche und zwei linken Händen.

E-Bike umrüsten – eine Begriffsdefinition

E-Bike umrüsten
Mein „Berlin-Cargo“ vor der Umrüstung. Über 20 KG inkl. Weinkiste

 

Streng genommen gibt es zwei Arten von Fahrrädern mit Elektroantrieb. Zum einem das Pedelec welches dem Fahrrad nach der deutschen Straßenverkehrs-Ordnung rechtlich gleichgestellt ist. Ein Pedelec hat einen maximal 250 Watt starken Motor, der im Betrieb bis höchstens 25 km/h unterstützt. Alles über 250 Watt gilt als E-Bike, aber auch als Kleinkraftrad und braucht somit ein Versicherungskennzeichen, Betriebserlaubnis sowie Führerschein- und Helm.

Ein „waschechtes E-Bike“ hat also auch einige Nachteile, zumal man damit streng genommen nicht einmal mehr auf dem Radweg, geschweige denn durch den Wald fahren darf. Dort sind Kleinkrafträder verboten.

Nicht wenige sind damit quasi illegal im Unterholz unserer Wälder unterwegs. Falls man eines Tages von einem lautlos aber quietsche‑bunten Mamil über den Haufen gefahren wird, sollte man danach (sofern man dazu noch in der Lage ist) sich sein E-Bike einmal näher ansehen. Viele haben ihr E-Bike zwar ordentlich versichert, finden es aber uncool mit einem Nummernschild rum zufahren. Tunings-Kits, die zudem den Motor und die unterstützte Höchstgeschwindigkeit in die Höhe treiben sind auch nicht selten.

Deswegen mein erster Tipp: Entscheidet Euch für einen Motor mit max. 250 Watt. Absolut ausreichend, wenn man nicht gerade täglich im Voralpenland oder einem Mittelgebirge unterwegs ist. Man muss ja nicht aus allem eine Challenge machen und ein hautenges Radlertrikot tragen.

E-Bike umrüsten – die Motorvarianten

Nachdem wir das mit der Motorstärke geklärt haben, kommt die nächste Entscheidung.
Welche Art Antrieb darf es denn sein? Vorderrad-Antrieb? Mittelmotor oder Hinterradunterstützung?

Vorweg: Ich würde immer zu einem Mittelmotor raten. Der bietet optimale Gewichtsverteilung und einen guten Fahrkomfort. Sagen wir zu 90% passt so ein Motor auch in jedes Fahrrad. Aber es gibt Ausnahmen.

Option 2: Das Hinterrad. Hierfür gibt es auch eine ganze Reihe vom Umrüstkits. Viele sagen, vom Fahrverhalten wäre es eher so als würde man von hinten geschoben. Muss man mögen oder sich daran gewöhnen.

Es gibt auch Sondervarianten. Hier wird mit einer Walze die Kraft auf das Hinterrad übertragen. Nachteile hierbei: Hoher Reifenverschleiß, unzuverlässig bei Nässe sowie relativ laut, wie ich persönlich finde. Dieses Video schreckt mich echt vom Kauf ab.

Option 3: Das Vorderrad. Hier ist es umgekehrt. Vom Fahrverhalten eher so, als würde man gezogen. Aber wie erwähnt, manchmal hat man keine andere Wahl wenn man umrüsten will.

E-Bike umrüsten – Meine Wahl: SFM Tongsheng Mittelmotor mit Rücktritt

E-Bike umrüstenBildquelle: TONGSHENG

Ich liebe mein Cargo-Bike. Es sieht gut aus, man sitzt bequem Doch es war aufgrund des hohen Eigengewichts von knapp 20 KG nicht wirklich komfortabel und schon bei kleinen Steigungen eine echte Qual. Nach langer Recherche machte ich einen Mittelmotor ausfindig, der sogar Rücktritt hatte. Perfekt für meine Bedürfnisse.

Die Chinesen sind in Sachen Fahrrad ja ein erprobtes Land und haben einiges zu bieten wenn es um Nachrüst-Optionen geht. Es ist nicht alles Schrott, was aus Asien kommt. (Hey Eure Smartphones – egal welcher Marke werden dort alle zusammen geschraubt) Ich bestellte das Teil via Amazon für etwas über € 400 direkt aus China. Man versicherte mir, dass keinerlei Zoll „on Top“ kommt. 3 Wochen später war mein Tongsheng in Deutschland.

Es gibt natürlich auch andere Hersteller. Z.B. bei Pendix kostet der Umrüstsatz (je nach Akku-Typ) ca. € 1.400 – € 1.700. Dann hat man deutsche Qualität!

E-Bike umrüsten – die Wahl des Akkus.

E-Bike umrüsten
Der erste Probelauf nach erfolfreicher Umrüstung – die Kabel waren ersteinmal nur provisorisch befestigt.

 

Auch hier gibt es eine Reihe von Anbietern und Herstellern. Man kann locker für einen Akku so viel Geld ausgeben wie für den Motor. Alles eine Frage des Anspruchs. Meine Wahl fiel – nicht zuletzt aus optischen Gründen – auf einen Akku in Trinkflaschenoptik mit 36 V – 10,4 Ah. Wie weit kommt man damit? Gute Frage: meine weiteste Tour ohne Nachladen waren rund 80km. Der Akku zeigte noch einen Ladebalken aber mein A….. tat mir ohnehin schon weh. Trotz des bequemen Sattels. Insofern ein absolut passender Radius für eine Tagestour. Nach 4 Stunden ist der Akku wieder komplett aufgeladen. Für die allermeisten Anwendungen also völlig ausreichend für einen Preis von € 290.

E-Bike umrüsten – ist das kompliziert?

E-Bike umrüsten
Altes Tretlager raus – Motor rein! Passendes Werkezeug ist die halbe Miete.

 

Nein … ich persönlich würde mich jetzt nicht als den geborenen Heim- und Handwerker bezeichnen. Aber wer als Kind schon einen Fahrradschlauch wechseln konnte, sollte mit dem Einbau keine Probleme haben. Wie so immer, steckt das Geheimnis im vernünftigem Werkzeug. Falls Ihr Euch für die Mittelmotor-Variante entscheidet müsst Ihr euer altes Tretlager ausbauen. Das geht nicht ohne Spezial-Werkzeug, was ihr für wenige Euros bestellen könnt. Ihr benötigt einen Innenlager & Kurbelabzieher.

E-Bike umrüsten – mein Fazit

Ich habe knapp € 700 in den Umbau gesteckt und habe nun ein absolut tolles Rad wie ich es immer wollte. Ein bequemes Zweirad-SUV mit ordentlich Zugkraft. Auch nach hunderten von Kilometern arbeiten Motor und Akku ohne Probleme. Auch mehrtägige Fahrradtouren wurden zu dem was sie sein sollten: Das pure Vergnügen. Für das nächste Jahr sind schon größere Rad-Touren in Planung.



1 KOMMENTAR

  1. Ich durfte das Rad mal probefahren. Ein völlig neues Fahrgefühl. Das Ding geht ab wie Schmitz‘ Katze. Glückwunsch zum Umbau. Sagenhaft.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here