Auf den Spuren des legendären Portweins

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Sandemann Statue

Portwein – ist das überhaupt was für Männer? Trinken nicht nur ältere Damen dieses süße „Zeug“? Mitnichten! Portwein ist keineswegs ein Altweiberdrink. Schon Sir Winston Churchill soll sich gerne mit einer Zigarre, einem Glas Port und dem Satz „A woman is only a woman, but a Port is a Port“ zurückgezogen haben. Und auch der bekannte Münchener Barbesitzer Charles Schumann liebt Portwein – so sehr, dass er ihn nie in Saucen verkochen würde. Also wäre diese Frage schon mal geklärt – Portwein ist durchaus was für Männer.

Das Dourotal im Norden Portugals gilt als Wiege des Portweins. Ich habe mich auf Entdeckungsreise gemacht und hier im ältesten geografisch abgegrenzten Weinbaugebiet der Welt Portweine und DOC-Weine probiert. Denn die sind im Dourotal mehr und mehr im Kommen – vor allem die gehaltvollen Roten sorgen für Furore.

Dourotal
Dourotal

In Portugal heißt er Douro. Allerdings entspringt er in Spanien, wo man ihn Duero nennt. Knapp 900 Kilometer lang bahnt sich der Strom seinen Weg durch Nordspanien und Portugal, bevor er schließlich als Douro bei Porto in den Atlantik mündet. Hier startet unser Wein-Trip. Vom Flughafen braucht man für die 150 Kilometer bis ins mittlere Dourotal rund 90 Minuten. Schon die Fahrt ist ein wahrer Augenschmaus. Die abwechslungsreiche Strecke, immer dem Fluss entlang, zählt zweifelsohne zu einer der landschaftlich reizvollsten Routen Europas. Während die vielen Kurven und Kehren das Herz passionierter Biker sicherlich höher schlagen lassen, sorgen sie bei mir eher für – unerwünschte – Adrenalinschübe. Kurven hin oder her – nicht nur Weinliebhabern bleibt beim Anblick der steilen Hänge vor lauter Schönheit erst einmal die Spucke weg: Bis zu 800 Meter hoch wachsen hier die Rebstöcke auf den Schieferterrassen. Und mitten in den Weingärten liegen einsam die Weingüter, die in Portugal Quintas heißen.

Portwein
Quintas

Ernte-Erlebnis der besonderen Art

Wer im September an den Douro reist, kann auf einigen Quintas als Erntehelfer bei der Lese mitanpacken. Und das ist wirklich ein ganz besonderes Erlebnis. Vor allem die Abende in den Weinkellern bleiben „Ernte-Touristen“ unweigerlich in Erinnerung. Denn mancherorts kann man auch als Gast in die Lagares hüpfen und beim Stampfen der Trauben mitmachen – blau gefärbte Beine gibt’s gratis dazu. Lagares heißen im Dourotal die großen, flachen Steinbecken, in denen der Wein nach traditioneller Art mit blanken Füßen ein paar Stunden lang getreten wird. Das Zerstampfen ist die schonendste Methode, weil nur die Trauben zertreten werden, nicht aber die Traubenkerne. Dies verhindert, dass zu viel Tannin freigesetzt wird; so wird der Wein milder. Das Gros der Dourowinzer setzt noch auf diese jahrhundertealte Methode. Die großen Weingüter sind dagegen inzwischen auf automatische Lagares umgestiegen.

Quinta do Bofim Weinkeller

Crashkurs Portwein – Herstellung

Portwein ist ein aufgespriteter Wein, der nur deshalb so viel Süße und einen so hohen Alkoholgehalt enthält, weil dem Traubenmost mitten im Gärprozess ein geschmacksneutraler Branntwein hinzugefügt wird. So wird der Gärprozess gestoppt und der noch nicht in Alkohol umgewandelte Zucker verbleibt in der Traube.
Es gibt weiße und rote Portweine. Bei den roten Ports gibt es zwei Hauptrichtungen, Ruby und Tawny. Zunächst bleiben alle Portweine für mindestens zwei Jahre in sehr großen, bis zu 100.000 Liter fassenden Holzfässern. Die Rubies werden vom Fass direkt auf Flaschen gefüllt. Rubies sind komplexe, kräftige, dunkelrote Portweine, die man perfekt zu kräftigem Käse oder süßen Desserts servieren kann. Portwein und dunkele Schokolade – eine Offenbarung. Auch mit kurzgebratenem Fleisch harmonieren sie hervorragend.

Portwein
Quinta Pacheca Weinkeller

Tawnies reifen in kleineren Fässern, sogenannten pipas mit ca. 550 Litern Inhalt. Hier oxidieren sie stärker, so dass sie nach relativ kurzer Zeit eine bernsteinähnliche Farbe (englisch: tawny) annehmen. Tawnies wandeln durch die Reifung in den pipas ihre Aromen zu frischen Nüssen, Trockenfrüchten, Feigen und Datteln, wobei ihre Farbe heller wird und die Komplexität mit der Reifedauer beträchtlich zunimmt.

Portwein Degustation Bofim
Portwein Degustation Bofim

Abschließend noch ein Wort zur Trinktemperatur: Portweine sollten ob des hohen Alkoholgehalts eher kühl getrunken werden, sonst überlagert der Alkohol das eigentliche Aroma. Daher wird eine Temperatur von ca. 15° C bei Tawnies und ca. 18° C bei Rubies empfohlen. White Ports genießt man am besten bei 8° C.
Wissenswertes über Portweine findet man auf der Website des Instituto dos Vinhos do Douro e Porto. Die Infos gibt’s auch in englischer Sprache:

Die Gast-Autorin Nicole Plümer ist passionierte Weinliebhaberin und besucht gerne bekannte aber auch weniger bekannte Weinregionen. Ihre vinophile Leidenschaft wurde geweckt durch die Arbeit bei der französischen Marketing- und Kommunikationsagentur Sopexa, wo sie als PR-Expertin für französische Weine tätig war. Inzwischen lebt sie als freie Texterin an der Pforte des Rheingaus in Wiesbaden und hat hier die deutschen Weißweine kennen und schätzen gelernt.

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